Grenzen ausloten
- sibyllekammer
- 31. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Aktuell (Dezember 2025) verbringe ich ein paar Tage in Arosa. Heute ist ein herrlicher Tag mit blauestem Himmel und ca. 10 cm Schnee im Dorf. Die Sicht auf die Berge, die Sonne und die gute Bergluft tun einfach gut.
Seit meiner Diagnose vor 2.5 Jahren ist es das erste Mal, dass wir alle das Gefühl hatten, dass es o.k. ist, wenn ich ganz alleine ein paar Tage in Arosa verbringe. Eigentlich wollte ich dies schon länger wieder einmal machen, doch im November, als ich es bereits geplant hatte, fühlte ich mich zu schwach.
Nun habe anfangs Dezember mit dem Zug die Reise in Angriff genommen. Dazu brauchte es etwas Mut, aber ich dachte mir, dass jetzt der Zeitpunkt gut ist, da ich am 5. Januar zum nächsten Scan muss. Diese Scans können je nachdem wieder einiges an Terminen nach sich ziehen und eine Reise verunmöglichen.
Die Reise und die wenigen Aktivitäten vor Ort, wie etwas weniges einkaufen, konnte ich mit nötiger Vorsicht (sowie Wanderstöcken und Taxi) gut handhaben. Die Strasse war zum Teil noch etwas mit Schnee und Eis bedeckt.
Natürlich hätte ich gerne etwas mehr unternommen, doch ich wusste, dass ich es nicht übertreiben sollte und die Gefahr auszurutschen durchaus präsent war.
Eine Frau lästerte über mich, als ich an ihr und ihren Mann vorbei ging: "Mit On-Turnschuhen hier rauf kommen, ...". Der guten Frau war wohl nicht klar, dass es so ziemlich die einzigen Schuhe sind, die ich anziehen und mit denen ich sicher gehen kann (auch auf Schnee). Mit Tracking Schuhen geht es zum Beispiel gar nicht. Na ja, ich habe zu ihr nur gesagt: "ich kann mit diesen Schuhen sehr gut gehen". Worauf sie ruhig war.
Mit meinem Rotary Club durfte ich während den letzten Wochen des Jahres zwei Aktivitäten wahrnehmen, die ausserordentlich waren. Ich wusste, dass sie mich an mein Limit bringen werden (wegen dem Stehen und der Dauer), doch wenn es mir soweit gut geht gilt es Aktivitäten mit Potenzial für schöne Erinnerungen und Erlebnisse Vorrang zugeben. Ich durfte gemeinsam mit meiner Tochter an einer exklusiven Führung bei Sauber (neu Audi) teilnehmen. Das war ein Highlight für uns beide. Schön, dass wir dies zusammen erleben durften. Des weiteren habe ich zudem an einer speziellen Führung durch die SwissLife Arena teilgenommen.
Ich bin dankbar für diese Möglichkeiten, die in Erinnerung bleiben werden und dass mich Rotary Freunde zum Ort des Geschehens gefahren haben.
Eine weitere Aktivität Ende des Jahres bestand darin, dass ich an einem Workshop teilnahm. Dieser fand im Rahmen einer Studie statt, bei welcher ich bereits an einer Umfrage und einem Interview teilgenommen hatte. Er ging um Digitalisierung im Kontext von Informationen und Anlaufstellen zu Krebs.
Der Workshop war für mich auch ein Test, um zu erfahren, wie gut ich wieder an einer solchen Aktivität teilnehmen kann. Der Workshop dauerte 2.5 Stunden und fand in Zürich statt. Die Teilnehmerschaft setzte sich aus rund 10 Krebsbetroffenen und 5 studienbetreuenden Personen von Careum zusammen. Niemand war mir bis zum Workshop bekannt. Während ich mich inhaltlich gut einbringen konnte, wurde es gegen Ende der 2.5 Stunden betreffend meiner Energie und Konzentration herausfordernd. Nach meiner Heimreise war ich extrem müde. Ich würde es wieder machen, auch wenn es mir meine Grenzen aufgezeigt hatte.
Die Feiertage haben wir dann grösstenteils in den Bergen verbracht. Am 5. Januar ging es dann mit dem quartalsweisen Scan (PET/CT) wieder los. Am Donnerstag nach dem Scan rief mich mein Onkologe ohne Vorwarnung an. Ich stand nach der Physio gerade bei klirrender Kälte am Bahnhof Birmensdorf und wartete auf den Zug nach Hause. Ich wusste, dass es kein gutes Zeichen ist, wenn der Onkologe vor dem vereinbarten persönlichen Termin anruft. Er sagte zu mir, dass sie aufgrund des PET/CT eine wachsende Metastase im Hirn vermuten. Meine Stimmung war sofort im Keller.
Ich wurde für ein MRI am Samstag aufgeboten. Beim Termin am darauffolgenden Montag erhielt ich dann Entwarnung. Das MRI bestätigte den Verdacht zum Glück nicht und zeigte eine stabile Situation. Das gleiche gilt für den Bereich der Lunge. Die Situation ist stabil. Es gibt weiterhin die Granulome (kleinen Entzündungen), aber diese haben sich nicht ausgedehnt.
Somit kann ich nun wieder 3 Monate (bis zum nächsten Scan)
weitermachen, wie in den letzten Monaten. Das ist eine riesige Erleichterung.



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